Aufm Fischkutter: Die Arbeit beginnt

Oh ha, is‘ dat früh. Und unfair. 2:30 Uhr mitten in der Nacht. Über der Jugendherberge in Devin bei Stralsund liegt breite Stille. Und doch tut sich etwas. Zumindest in zwei Zimmern. Während die anderen noch seelenruhig schlafen, treffen Elly und Josef die letzten Vorbereitungen für eine Fahrt, wie man sie so nicht alle Tage erleben kann.

Nach 40 Minuten im Taxi und einem Zwischenstopp mit Kaffee und Mettbrot an der Tankstelle, sehen wir uns am Ziel unserer Fahrt, doch gerade erst am Beginn unserer eigentlichen Geschichte. Wir befinden uns im Hafen von Barhöft, einem kleinen Dorf am nördlichen Rande des Strelasunds. Nach mühsamer Recherche und zahlreichen Telefonaten stehen wir nun hier und dürfen Steffen Schnorrenberg, einen von nur noch mehr 230 aktiven Küsten- und Kutterfischern begrüßen. Dass Journalisten mit Aufnahmegeräten ihn und seine zwei Mitarbeiter auf seinem Kutter begleiten, ist für ihn jedoch nichts allzu Außergewöhnliches.  Oft kämen Fernsehteams etwa vom ZDF, so erzählt er. Das Schiff ist zwar recht klein im Vergleich zu den größeren im  Geschäft, vielleicht an die zehn bis zwölf Meter lang, jedoch in Schuss und mit moderner Ausstattung zur Navigation.

Vier Uhr, es heißt Leinen los.  Wir schippern hinaus auf den Bodden, ins dunkle Niemandsland umgeben von nichts als Wasser. Aus den Lautsprechern dröhnen, gefolgt von Chartmusik die Morgennachrichten eines lokalen Radiosenders. Fischer Schorrenberger erläutert uns die Funktionsweise der elektronischen Karte und des Echolots und spricht darüber wie er zum Fischen gekommen ist: Eigentlich war das für ihn nämlich schon als kleiner Junge klar. „Mein Großvater war Fischer, meine ganze Familie davor“. Doch bis heute hat sich einiges geändert. Die Fangquoten, die zwar wichtig sind, um Überfischung zu verhindern und für Nachhaltigkeit zu sorgen, seien zwar wichtig aber „wir müssen darunter leiden, wenn die großen industriellen die Probleme schaffen. Wir werden mit denen einfach alle in einen Topf geworfen.“ Die Zukunft sieht nicht wirklich rosig aus, „aufgeben? Nein.“ Unser Gespräch wird mitten drin unterbrochen, als sich die beiden Gehilfen Schutzkleidung überziehen. Schnorrenberg nimmt den Gashebel zurück und verlässt das Ruderhaus, um sich an die Reling zu stellen. Die drei sind ein eingespieltes Team, jeder Handgriff sitzt. 14 Netze holen sie nach und nach Meter per Meter ein, jedes davon 24 Meter lang. Sie werden samt der zappelnden Fische in den Maschen an Bord gestapelt und zum Herauspuhlen an Land gebracht. Heute hat Schnorrenberg kein Glück. Eine Tonne wäre schön, aber davon sind wir weit entfernt. Immer wieder einige Heringe, Ohrenfische, die im Moment Saison haben und Plötze. Am Ende des Morgens kommen etwa drei- bis fünfhundert Kilo Frischfisch zusammen, der anschließend im Hafen direkt vorm Kutter in geselliger Runde aus den Maschen der Netze herausgepuhlt und von den Schuppen befreit wird. Der Fisch kommt noch am selben Tag an die Kunden, hauptsächlich Verkäufer und Gastronomiebetriebe in der Umgebung. Mit zahlreichen coolen Eindrücken und mächtig was zum Erzählen im Schlepptau, bedanken und verabschieden uns bei Fischer Schnorrenberg. Für ihn wird der Arbeitstag erst um acht Uhr abends enden, nachdem er die Netze für den nächsten Tag ausgesetzt hat. Wir dagegen sind  im Ozeaneum mit einigen Wissenschaftlern verabredet und haben noch so einige Gespräche vor uns…

Auf dem Fischkutter

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